Was uns weit weg von unserer Realität zu sein scheint, ist für manche Menschen hier in Deutschland erschreckend nah.
Als wir, das Seminarfach Soziales Seminar des Jahrgangs 12, an unserer letzten Exkursion zum Exil e.V. in Osnabrück teilnahmen, wurden uns der Hintergrund solcher Worte und viele weitere Erkenntnisse eindrücklich bewusst.
Besuch beim Exil Verein
Am Mittwoch, den 19.11. trafen wir uns um kurz vor vier vor dem Gebäude des Vereins Exil, der sich für Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte einsetzt. Dort wurden wir herzlich von Deborah begrüßt, die das Projekt „FreiZeit für junge Geflüchtete“ im Verein mitgestaltet. Nach einem kleinen Austausch im Stuhlkreis darüber, welche Dinge wir bereits in der Schule besprochen haben, schauten wir ein Video mit dem Titel „So funktioniert das deutsche Asylsystem“. Nächster Programmpunkt und zentrales Element des Abends war die Ausstellung „Kein Ort für Kinder“. In Gruppen fokussierten wir uns auf jeweils einen Bereich der Ausstellung. Auf den Bannern befanden sich Informationen über verschiedene Einrichtungen für Asylsuchende sowie zur Situation von allein geflüchteten Minderjährigen.
Während der Vorstellungen der jeweiligen Gruppen zeichnete sich dann ein erschreckend einheitliches Bild ab. Die Bedingungen, unter denen Menschen in diesen Aufnahmezentren leben müssen, die eigentlich nur temporär als Unterbringung gelten, sind unzumutbar, in Teilen sogar katastrophal. Wir lasen Berichte über Diskriminierung, über mangelnde Hygiene, die zu Krankheiten führte, und über unzureichende Privatsphäre durch den Mangel an Rückzugsorten. Es wundert also nicht, wenn Aussagen fallen, wie die eingangs zitierte.
Aber die Schilderungen über die Erfahrungen von jungen Menschen bewegte uns dann doch am deutlichsten, vielleicht auch durch die Nähe zu den Gleichaltrigen. Wir erfuhren, dass Kinder oft wenig Zugang zu Bildung bekommen und nicht die Unterstützung, die ihnen zusteht. Jugendliche, die einen langen Weg auf sich genommen haben und ohne Begleitung geflüchtet sind, trifft es teilweise noch schlimmer. Eigentlich haben sie ein Recht auf einen besonderen Schutz, da sie auf sich allein gestellt sind. Doch durch gravierende Fehler in den Verfahren erhalten sie oft nicht die notwendige Hilfe. Deborah schilderte dazu eine Erfahrung aus ihrem kollegialen Umfeld: Ein ehemaliger Angestellter beim Jugendamt war dafür verantwortlich, das Alter von Jugendlichen festzustellen. Dabei wurde er von leitenden Kräften unter Druck gesetzt, nicht zu viele Personen als minderjährig einzustufen. Somit sollte die kostspielige, aber angemessene Unterbringung der Jugendlichen in geeigneten Einrichtungen mit geschultem Personal verhindert werden.
Das bleibt hängen
Unser Besuch stimmte uns vorerst nachdenklich und vielleicht waren wir auch in manchen Momenten kurzzeitig überfordert. Zitate von Jugendlichen, wie „ Ich wünsche mir einfach, eine normale 16-Jährige sein zu dürfen“, nehmen mit und lassen uns reflektieren: Wir dürfen normale Schülerinnen und Schüler sein und ein privilegiertes Leben führen.
Auch in der darauffolgenden Woche berichteten in der Schulstunde viele noch bewegt von dem Ausflug. Manche sind überrascht und hätten die Situation der Geflüchteten so nie erwartet. Insgesamt konnten wir aber alle zu einem Fazit kommen, was sich in Neeles Worten kurz zusammenfassen lässt: „Ich finde es wichtig, dass mehr darüber geredet wird.“
Deswegen ist es wichtig, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen und umso mehr freuen wir uns auf den Vormittag, den wir gemeinsam mit Ehrenamtlichen aus dem Projekt „FreiZeit für Geflüchtete“ für Kinder gestalten, in der Hoffnung, ihnen ein schönes Erlebnis zu ermöglichen.
Anna Buschkotte, Jahrgang 12

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