Samstag, 25 Juni 2022 17:58

Radikale Zärtlichkeit auf offener Bühne

Am 14.06.2022 besuchte die freie Journalistin, Kolumnistin, Buchautorin und Moderatorin Şeyda Kurt im PZ des Gymnasiums Bad Iburg und las aus ihrem im April 2021 erschienenen Sachbuch „Radikale Zärtlichkeit – Warum Liebe politisch ist“.

Kurt wuchs in Köln auf, wohin ihre Großeltern in den 1960er Jahren aus der Türkei gekommen waren. Sie studierte Philosophie, Romanistik und Kulturjournalismus bevor sie als freie Journalistin und Autorin für unterschiedliche Medien arbeitete. Ihr Buch stieg auf Platz vier der Spiegel-Bestsellerliste, hielt sich dort über 20 Wochen und wurde von zahlreichen Medien positiv besprochen.
Auf Einladung des Seminarfachs sf5 und mit Unterstützung der Initiative Literatur live war es gelungen, Şeyda Kurt für diese Lesung aus „Radikale Zärtlichkeit“ zu gewinnen. Sie analysiert darin bürgerliche Liebesnormen aus einer queer-feministischen, dekolonialen, anti-rassistischen und antikapitalistischen Perspektive und thematisiert unter anderem ihre eigenen gescheiterten Beziehungen.
Zum Auftakt stimmte Cedric Guillaume auf dem Klavier das Publikum auf die Lesung ein. Daraufhin wurde – typisch für die „Literatur live“ Lesungen – die Autorin mit der sogenannten „Akte Kurt“ vorgestellt. Durch persönliche Erfahrungen stellte sie ihre eigene Familie als hierarchische Institution dar. Des Weiteren brachte sie den Leser:innen ihre frühe Auffassung von Liebe mithilfe des Films „Das Mädchen mit dem roten Kopftuch“ von Atif Yilmaz näher.
Weitere Fragen der Moderator:innen Magnus Schowe, Finja Hülsmann, Daria Barlage und Kaja Geipel sorgten dafür, dass die vorgelesene Textstelle den Zuschauenden näher gebracht werden konnte. Warum Şeyda Kurt genau diesen Titel für ihre Sachbuch wählte, wurde durch ihren Appell deutlich, man müsse „erzwungenes Schweigen mit aufrichtigen Worten brechen“, der „radikalen Zärtlichkeit“.
Şeyda Kurt hält „Liebe“ für einen „beladener Begriff, dem man Handeln entgegensetzten“ müsse, dabei entspreche das Handeln der Zärtlichkeit. In dem letzten Leseteil ging die Autorin auf die benötigten Rahmenbedingungen für die Definition von Liebe ein, die mit einer radikalen Transformation der Gesellschaft Gerechtigkeit für alle schaffen solle.
Die gesellschaftskritischen und neuen Ansätze ihrer Buches interpretierten den Begriff der „Liebe“ auf eine neue Weise, wodurch Diskussionen mithilfe der Moderator:innen angeregt wurden.
Es lässt sich sagen, dass die Lesung besonders durch solch wenig bekannte Auffassungen wie die „Radikale Zärtlichkeit“ sehr gelungen und interessant war, weil gesellschaftskritische Aspekte der Liebe auf andere Weise beleuchtet wurden.