Am 27. Januar 2026 nahm ich gemeinsam mit mehreren weiteren Schüler:innen des 10. Jahrgangs am „Zweitzeugen“-Programm teil.

Im Rahmen dieses Workshops setzten wir uns am internationalen Gedenktag an die Shoah / den Holocaust intensiv mit dem Thema „Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart“ auseinander. Dabei gingen wir zentralen Fragen nach: Was ist Antisemitismus? Welche historischen Ursprünge hat er? In welchen Formen tritt er auf? Und existiert er auch heute noch? 

Besonders eindrücklich war für mich die Auseinandersetzung mit den antisemitischen Gesetzen zur Zeit des Nationalsozialismus. Anhand einer Übung, in der wir Einschränkungen auf unsere eigene Lebensrealität übertrugen, wurde deutlich, wie allumfassend, systematisch und grausam diese Gesetze das Leben von Juden und Jüdinen bestimmten. 

Im weiteren Verlauf des Workshops beschäftigten wir uns mit der Lebensgeschichte von Dr. Leon Weintraub. Sein Schicksal ist zugleich erschütternd und beeindruckend. Geboren in Łódź (Polen), musste er gemeinsam mit seiner Mutter und seinen vier Schwestern das Leben im Ghetto im deutsch besetzten Polen überstehen. Später wurde er in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Nur durch seine Willenskraft, Intelligenz und Glück gelang es ihm, mehrere Lager zu überleben, bis er schließlich von französischen Truppen befreit und in einem DP-Lager (Displaced Persons-Lager) untergebracht wurde. Von seiner Familie überlebten lediglich nur drei seiner Schwestern.

Trotz dieser traumatischen Erfahrungen gelang es ihm nach dem Krieg, ein Medizinstudium in Göttingen erfolgreich zu absolvieren und später als Oberarzt in einer Warschauer Frauenklinik zu arbeiten. Doch selbst nach dem Ende des Nationalsozialismus war Antisemitismus für ihn weiterhin zu spüren: Aus antisemitischen Gründen verlor er seine Arbeitsstelle. Schließlich emigrierte Weintraub nach Stockholm in Schweden, wo er bis heute lebt.

Die Auseinandersetzung mit Lebensgeschichten wie der von Dr. Leon Weintraub zeigt, wie wichtig Erinnerungskultur ist. Sie erinnert uns daran, welche verheerenden Folgen Hass, Vorurteile und systematische Ausgrenzung haben können.

Denn wer die Geschichte eines Zeitzeugen hört, übernimmt Verantwortung: Er wird selbst zum „Zweitzeugen“. Deshalb kann ich die Teilnahme an diesem Workshop nur empfehlen – nicht nur zur historischen Bildung, sondern als Beitrag dazu, Erinnerung lebendig zu halten und Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen.

Wir bedanken uns bei dem Kaufhaus L&T, welches die Finanzierung des Zweitzeugenworkshops übernommen hat. 

Ivan Grushev, 10d

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