Montag, 11 Oktober 2021 09:20

Neustart für Literatur live

„Literatur live“ ist nach der langen Coronapause in eine neue Runde gegangen: In der Aula des Gymnasiums Bad Iburg las am 7.Oktober 2021 der junge österreichische Autor Tonio Schachinger um 19:00 Uhr aus seinem Debütroman „Nicht wie Ihr“.

Das Buch wurde im September 2019 sofort nach seiner Veröffentlichung auf die Long- und Shortlist des deutschen Buchpreises gesetzt. Auch erhielt der Autor am 20.01.2020 den Förderpreis Literatur der Stadt Bremen hierfür.
Zum Auftakt verzauberte Amelie Mühlmeyer auf dem Klavier und stimmte das Publikum auf die Lesung ein.
In seinem fulminanten Roman entführt uns Tonio Schachinger in das Leben seines Protagonisten Ivo Trifunović , eines der bestbezahlten Fußballspieler der Welt. Wir erlebten ihn mit seiner Familie und Affäre, erfuhren aber auch Einiges über seine Sehnsüchte sowie Ängste und, - wie Juliane Polch und Max Pieper in ihrer gelungenen Moderation thematisierten - Vieles über Diskriminierung. Ihre intelligente Moderation hat vor allem nach dem zweiten Leseteil Fragen des latenten Rassismus aufgeworfen, die in Menschen mit Migrationshintergrund immer das Andere/Trennende sehen, was nicht der Anteil Österreicher ist, anstatt das Verbindende, den ganzen Menschen zu wertschätzen. Ebenso sind das verbogene Frauenbild Ivos und seine gleichsam diskriminierenden Ansichten über andere, z.B. die Deutschen durch die exzellente Moderation zum Thema gemacht worden, so dass Tonio Schachinger später meinte, das Moderatorenduo könne das doch hauptberuflich machen. Auch lobte er die thematisch durch Emma Striemer und Frau Melek-Nienaber dekorierte Bühne als „die schönste, auf der er je aus seinem Roman gelesen habe“.
Überdies ist durch die interessierten Nachfragen der Zuschauer erkennbar geworden, wie sehr Tonio Schachinger, 1992 in Neu Delhi geboren und in Nicaragua und Wien aufgewachsen, mit seinem Roman und seiner eigenen Geschichte zum Schreibprozess des Werkes beim Publikum angekommen ist. So kann die neunte Lesung als wirklich gelungen bezeichnet werden, auch wenn die Zuschauerzahl überschaubar gewesen ist.