Mittwoch, 01 Juni 2022 07:16

Mahnmal-Projekt auf dem ersten Platz beim Silten-Preis

Das gemeinsame Mahnmal-Projekt des Gymnasiums Bad Iburg und der IGS Osnabrück wurde mit dem ersten Platz beim Silten-Preis des Vereins Lastoria ausgezeichnet.

Ein Denkmal für die Osnabrückerin Lea Levy, die als Zehnjährige in der Nazizeit als Jüdin aus ihrem Turnverein ausgeschlossen wurde. Eine gemeinsame Gedenkminute an Bremer Schulen für die Opfer der Pogromnacht 1938. Die Biografie der Hamburger Holocaustüberlebenden Esther Bejarano (1924-2021): Beiträge von Schülerinnen, Schülern und Studierenden zur Gedenkkultur sind in der niederländisch-deutschen Geschichtswerkstatt „Deutschland auf der Flucht. Exil in Amsterdam Zuid 1933-1945” des Vereins Lastoria in der Villa Ichon in Bremen mit dem Silten-Preis ausgezeichnet worden. Der 1. Preis ging an Schülerinnen des Gymnasiums Bad Iburg und der Integrierten Gesamtschule Osnabrück, jeweils ein 2. Preis an die AG gegen Antisemitismus des Gymnasiums Rübekamp (Bremen) und an Benet Lehmann, einen Doktoranden der Justus-Liebig-Universität Gießen, der 3. Preis an die Gruppe „Keep the Memory alive“ des Max-Windmüller-Gymnasiums in Emden.
„Aufklärung über Antisemitismus gestern und heute, über das Entstehen von Vorurteilen und Mobbing, aber auch über lebendiges Judentum, große Empathie und eine klare, ethische Haltung, künstlerisches und technisches Know-how und sehr viel Kreativität: All das zeichnet diese hervorragende Arbeit aus“, urteilte die niederländisch-deutsche Silten-Preis-Jury über die Bewerbung aus Bad Iburg und Osnabrück über Ausgrenzung von jüdischen Sportlerinnen und Sportlern in der Weimarer Republik. „Eine absolut vorbildliche Aktion, die in mehrfacher Hinsicht nachwirkt, schon wegen der starken aktuellen Bezüge. Ein überzeugendes Statement für Toleranz und Fairness und gegen Diskriminierung aller Art – nicht nur im Sport.“ Die Kooperation zwischen Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften der beiden Schulen, dem Künstler Bernd Obernüfemann, der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, dem OSC und der Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht beeindruckte die Historikerinnen sehr, aber auch die Umsetzung. „Die Präsentation der Ergebnisse per Homepage und Podcast sind sehr professionell, die Gedenktafel absolut gelungen.“ Hierfür erhalten die beteiligten Schülerinnen und Schüler ein Preisgeld in Höhe von 1000€.
Der nach der von den Nazis verfolgten jüdischen Familie Silten aus Berlin benannte Preis wurde dieses Jahr das erste Mal vergeben. Zur Jury gehörten Miriam Keesing aus Amsterdam, die in der Geschichtswerkstatt ihr Gedenkprojekt für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich (DOKIN) präsentierte, die Anthropologin An Huitzing, ebenfalls aus Amsterdam, die in der Villa Ichon über das Leben und den aufsehenerregenden Nachlass der deutschen Fotografin Annemie Wolff sprach, die Historikerin Anna Junge (Berlin), die Historikerin Christine Kausch (Münster/Berlin), die Einblicke in ihre Doktorarbeit über “Zuflucht auf Zeit” gab, und die Bremer Historikerin Monika Felsing vom Verein Lastoria, die die Geschichtswerkstatt organisiert und die zweiteilige Kindheitsbiografie von R. Gabriele S. Silten in ehrenamtlicher Arbeit übersetzt hat: „Zwischen zwei Welten“ und „Ist der Krieg vorbei?“ sind 2020 beziehungsweise 2021 im Verlag BOD erschienen.
Ein Gedanke prägte die Geschichtswerkstatt: Wenn Zeitzeuginnen und Zeitzeugen nicht mehr selbst präsent sein könnten, müssten neue Formen gefunden werden, um ihre Erfahrungen zu vermitteln und ihre Botschaften weiterzutragen. In dieser Hinsicht hatte jedes der Projekte in den Augen der Jury Anerkennung verdient, ganz im Sinne von Gabriele Silten. Ein Auszug aus deren „Gebet einer Überlebenden“, in den Urkunden zu lesen, endet mit der Aufforderung: „So lasst uns Zeugnis ablegen, von Generation zu Generation, damit es niemand jemals vergisst.“ Benet Lehmann wiederum hatte in seiner Bewerbung zitiert, was Esther Bejarano Jugendlichen mit auf den Weg gegeben hat: „Ihr seid nicht schuld an dieser schrecklichen Zeit, aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts über die Geschichte wissen wollt.“