Wie fühlt es sich an, einen Vormittag mit Kindern zu verbringen, die ihre Heimat verlassen mussten?

Diese Frage begleitete mich, als wir unser Projekt „FreiZeit für junge Geflüchtete“ vorbereiteten und sie sollte an diesem Tag auf eine warme Weise beantwortet werden.

Das Soziale Seminar – Lernen durch Engagement 

Die Exkursion nach Bramsche mit dem Exil-Verein war Teil des Sozialen Seminars. Das Soziale Seminar bietet uns die Möglichkeit, gesellschaftliche Themen zu untersuchen und durch praktische Projekte eigene Erfahrungen im sozialen Engagement zu sammeln. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit sozialen Herausforderungen und gesellschaftlicher Vielfalt. Durch das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Exil-Verein Osnabrück erhalten wir Einblicke in Lebenswelten, die uns im normalen Alltag nicht bewusst sind und oft auch nicht sichtbar werden. Das Seminar ermöglicht einen offenen Austausch zwischen uns Schüler*innen und betroffenen Personen, die von ihren gesellschaftlichen Ausgrenzungen, problematischen Lebenssituationen und folgenschweren Schicksalsschlägen berichten.

Vorbereitung: Flucht, Vielfalt und neue Perspektiven

Im Unterricht hatten wir uns im Vorhinein mit dem Thema „Flucht und Migration“ auseinandergesetzt. Die Bezeichnung „Flüchtling“ gilt für Menschen, die aus begründetem Anlass aus ihrem Heimatland fliehen mussten. Eine begründete Flucht ist eine Flucht aus Angst vor Verfolgung aufgrund von Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder wegen politischer Überzeugungen. Diese Menschen fliehen, da sie den Schutz in ihrem Land nicht in Anspruch nehmen können oder aus Angst vor Verfolgung nicht in Anspruch nehmen wollen. Außerdem stellten wir uns zuvor im Unterricht zu genau diesen Menschen die Frage, auf welche unbegründeten Vorurteile sie an ihrem Zufluchtsort stoßen und wie diese ihre Lebenssituationen erschweren. 

Die Exkursion: Ein Vormittag mit dem Projekt „FreiZeit“

Ankunft und Aufbau der Stationen

Um 09:45 Uhr sind wir bei der Turnhalle in Bramsche angekommen. Vom Projekt „FreiZeit“ waren drei weitere Betreuer*innen dabei: Deborah, Bairan und Mbandy. Nach einer kurzen Kennenlernrunde begannen wir sofort damit, unsere Stationen aufzubauen, während die drei Betreuer die Kinder abgeholt haben. Insgesamt hatten wir sechs Stationen, zwei Stationen boten kreative Aufgaben: winterliches Basteln mit bunten Rentieren aus Klopapierrollen, Schneeflocken aus Papiertüten und Holzstäbchen sowie das Herstellen eigener Armbänder. Die anderen Stationen boten den Kindern zum Austoben aktive Aktionen, wie einen Parcours mit einem Bobby-Car- Slalom, Sackhüpfen, Sackwerfen und Dosenwerfen. Im Laufe des Vormittags hat jede*r Schüler*in in einer Kleingruppe auf eine Station aufgepasst und konnte so mit den tobenden und bastelnden Kindern Kontakt aufbauen. 

Kennenlernen und das erste Spiel

Um 10:45 Uhr kamen dann die Kinder aus der Landesaufnahmebehörde in Bramsche-Hesepe (einer Erstaufnahmestelle für Geflüchtete), insgesamt waren es sieben Kinder im Alter von circa 6 bis 13 Jahren. Wir haben direkt mit einer Namensrunde begonnen und zum Auflockern „Stopptanz“ gespielt. Die Erklärung des Spiels verlief unproblematisch, da die Kinder die Erklärung untereinander übersetzen konnten, wenn die Jüngeren es nicht ganz verstanden hatten.  Durch das Spiel konnten sich die Kinder an die lebhafte Umgebung gewöhnen und die Stationen sowie uns Betreuer*innen schon mal ein wenig betrachten, ohne direkt reden zu müssen. Danach wurde ihnen die verschiedenen Stationen gezeigt und nach der Erklärung bekamen die Kinder noch Stempelkarten, auf denen sie an den verschiedenen Stationen einen Stempel bekommen können, sodass die Kinder voller Spaß die Stationen erleben können und gleichzeitig auf eine Belohnung für die Stempelkarte hinarbeiten konnten. Sie mussten aber trotzdem nicht alle Stationen machen - doch am Ende hat fast jedes Kind alle Stationen mit Freude gemacht. Dann begann der Vormittag richtig, denn die Kinder verteilten sich auf die verschiedenen Stationen. 

Interviews mit den Betreuer*innen 

Zwischendurch konnte man sich mit den Kindern gut unterhalten. Sie waren sehr aufgeschlossen und haben auf all unsere Fragen geantwortet, sofern sie diese verstanden hatten. Sie erzählten uns, wie sie nach Deutschland gekommen sind, wie die Schule ist und wie es ihnen in Hesepe gefällt. Den Betreuer*innen konnten wir auch Fragen stellen. So erzählte uns die immer lächelnde Deborah, dass sie seit zwei Jahren bei FreiZeit mit Geflüchteten arbeitet. Am besten gefällt ihr, „wenn die Kinder in ihren Stärken aufblühen“. Sie erzählte uns auch, dass bei den meisten Aktionen 15 – 20 Kinder kommen - also ist die Anzahl der Kinder bei dieser Aktion eher untypisch. Aber die Anzahl der Kinder variiere stark aufgrund der politischen Lage, so Deborah. Am Schluss sagte sie noch: „Man soll die Augen offenhalten und helfen, dort, wo Hilfe gebraucht wird.“

Brandy und Mbandy sind freiwillige Helfer*innen, die zum ersten Mal bei einer Aktion geholfen haben. Sie selbst sind auch Flüchtlinge, die den Kindern durch ihre Hilfe ein vertrautes Umfeld bieten möchten. Zudem sind freiwillige Helfer*innen immer notwendig, denn ohne sie könnten viele Aktionen nicht zustande kommen. 

Den gesamten Vormittag über wurde nahezu ohne Pause gespielt. Die Kinder haben die ganzen Stationen mit Freude gemacht und auch uns aufgefordert, im Parcours gegen sie anzutreten. 

Gemeinsamer Abschluss 

Zum Abschluss erklärten wir ihnen „Kettenfangen“, was die Kinder mit großer Begeisterung aufnahmen, da sie sich nochmal richtig austoben konnten. Kettenfangen gefiel ihnen besser als Stopptanz. Nach dem Spiel sind wir nochmal in einem Kreis zusammengekommen. Dort wurde ihnen gesagt, dass sie jetzt ihre Karten einlösen können. Die Kinder sind losgerannt, um ihre Stempelkarten abzugeben. In der Überraschungstüte erwarteten sie Süßigkeiten und ein kleines Buch. Danach suchten sie noch ihre Bastelergebnisse zusammen. Sie standen versammelt an der Ausgangstür und bedankten sich sehr herzlich. Der kleinste Junge ist dann nochmal zu jedem*r von uns gegangen und hat uns dankend umarmt. Diese Umarmung hat von uns allen das Herz zum Schmelzen gebracht. Diese Dankbarkeit der Kinder hat uns gezeigt, wie viel soziales Engagement für Kindern ausmacht.

Danach wurden sie wieder zurückgebracht und wir haben die Turnhalle wieder gemeinsam aufgeräumt. 

Reflexion: Was wir mitnehmen

Insgesamt war die Aktion für uns alle eine sehr positive Erfahrung, die uns allen einen neuen Blickwinkel ermöglicht hat. Besonders schön war zu sehen, wie sehr die Kinder in den Spielen und Stationen aufgegangen sind und so offen mit uns geredet haben. Durch die freie und eigene Vorbereitung „war das auch unser Projekt“- Zitat von einer Mitschülerin.

Ein Verbesserungsvorschlag wäre noch, dass man mehr Angebote für differenzierte Altersgruppen anbietet, da es zwei etwas ältere Kinder gab, die mit manchen Spielen nicht so viel anfangen konnten. 

Ein kleines Projekt mit großer Wirkung

Dieser Vormittag hat uns gezeigt, wie viel Nähe entsteht, wenn Menschen sich öffnen und dass gesellschaftliche Vielfalt nicht nur ein Thema im Unterricht ist, sondern etwas, das wir gemeinsam erleben und gestalten können.

Katharina Meyer für das Soziale Seminarfach