Seit 2002 darf sich das Gymnasium Bad Iburg als Europa-Schule bezeichnen. Diesen Titel dürfen Schulen tragen, die in besonderer Weise europabezogene Themenschwerpunkte zum Gegenstand in geeignetem Fachunterricht oder in geeigneten Schulprojekten und -veranstaltungen machen.
Das Gymnasium Bad Iburg kommt dieser Prämisse bereits von seiner Tradition und seinem Ursprung nach. Als Niedersächsische Heimschule unmittelbar nach dem Krieg für all diejenigen gegründet, die nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges eine neue geistige Heimat suchen mussten, hat die Schule immer in gesamteuropäischen Strukturen die besten Voraussetzungen für eine bessere Welt gesehen und diese seitdem zu einem grundlegenden Gegenstand ihrer pädagogischen Ausrichtung und Arbeit gemacht. Nicht von ungefähr nimmt der europäische Gedanke im Schulprogramm des GBI eine dominierende Rolle ein.
Entsprechend dieser Vorgabe hat der gesamteuropäische Gedanke im programmatischen wie praktizierten Handeln der Schule immer einen zentralen Platz eingenommen. So haben im GBI immer wieder Vortragsveranstaltungen, bisweilen organisiert und finanziell unterstützt vom Förderverein, zu unterschiedlichen Aspekten Europas stattgefunden. In bester Erinnerung sind immer noch jene Projekte, die sich im Rahmen des fünfzigjährigen Schuljubiläums (1998) speziell mit dem Thema Europa beschäftigten.
Diese Projekte haben in der Nachfolgezeit würdige Nachahmer gefunden. So nimmt die Schule am aufwändigen, weil arbeitsintensiven Comenius-Projekt teil. Dadurch wurde u.a. unseren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geschaffen, mit ihren Altersgenossen in den Partnerländern Dänemark und Italien zu kommunizieren und Projekte zu vereinbaren. Frau Lischewski und Herrn Böttcher gebührt Dank für ihren diesbezüglichen Einsatz.
Die Vielsprachigkeit Europas, vor allem aber den sich dahinter verbergenden kulturellen Reichtum Europas, erfahren die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Bad Iburg in einem vielfältigen Fremdsprachenangebot der Schule. So besteht für sie die Möglichkeit, Latein bzw. Französisch als dritte Fremdsprache ab der 9. Klasse zu erlernen. Darüber hinaus können sie Italienisch, Spanisch und Russisch als Arbeitsgemeinschaft betreiben. Ferner bietet die Schule ihren Mädchen und Jungen die Möglichkeit, in Französisch und Englisch zertifizierte Sprachprüfungen (Cambridge und DELF) abzulegen, die sie in besonderer Weise befähigen, weil anerkannt, an europäischen Hochschulen zu studieren.
Die geografische Vielfalt mit ihrem sozialen und ethischen Facettenreichtum wird den Schülerinnen und Schülern insbesondere durch seit langem existierende Schulpartnerschaften mit Schulen in England, Frankreich, Litauen und Russland nahe gebracht. Das Gymnasium Bad Iburg fühlt sich diesen Partnerschaften in besonderer Weise verpflichtet, hat es darin doch immer ein besonderes Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz gegenüber Andersdenkenden gesehen. Gerade wegen dieses besonderen pädagogischen Anspruchs, den das Gymnasium Bad Iburg mit seinen Schulpartnerschaften verbindet, sind diese zu einem ausgewiesenen Bestandteil des Schulprogramms geworden.
Die Partnerschaften erfordern nicht zuletzt auch soziales Engagement seitens der jungen Menschen. Insbesondere die Partnerschaften mit den östlichen Ländern werden, damit sie auf Dauer Bestand haben, stets durch finanzielle Eigenleistungen der Schülerschaft, koordiniert vom Schülerrat, unterstützt, bisher mit großem Erfolg. Darüber hinaus besteht am Gymnasium Bad Iburg, getragen und organisiert von einem Förderverein, eine permanente Hilfsaktion zu Gunsten der Partnerschule in Litauen.
Im Sinne der bisherigen Tradition und Orientierung des Gymnasiums Bad Iburg, aber auch einer von Weitsicht getragenen pädagogischen Zielsetzung, sich der europäischen Dimension bei der täglichen Unterrichts- und Erziehungsarbeit bewusst zu sein, ist es für das Gymnasium Bad Iburg Anerkennung und Verpflichtung zugleich, die Bezeichnung „Europaschule“ tragen zu können.
Dr. H-J. Pöling